Vielleicht kommt Ihnen die folgende Situation des Lehrlingsausbildners Thomas (Mitte 40) bekannt vor:
Thomas arbeitet in einer mittelständischen Tischlerei, wo er selber als Lehrling begonnen hat. Er kennt den Betrieb und die Mitarbeiter in- und auswendig. Vor 10 Jahren hat er die Ausbildung zum Lehrlingsausbildner abgeschlossen. Martin hat sich auf die Zusammenarbeit mit jungen Menschen sehr gefreut. Auch privat hat er viel mit Jugendlichen durch den Sportverein zu tun. Mittlerweile ist seine Freude eher gedämpft, er ist sogar etwas verzweifelt: „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Die Jugendlichen wollen sich heute nicht mehr bewegen oder einbringen. Ich lege die Latte schon extrem niedrig, aber mir kommt vor, sie werden immer fauler. Selbst die einfachsten Benimmregeln beherrschen sie nicht. Was ist da los und in welche Richtung geht das?“
So und solch ähnliche Rückmeldungen höre ich von zahlreichen Lehrbetrieben.
Eines muss uns klar sein. Wir, die Erwachsenen, sind die Vorbilder für unsere Jugend. Junge Menschen brauchen mutmachende und wertschätzende Persönlichkeiten.
Ich habe Thomas gefragt: „Haben Sie Ihren Lehrlingen schon mal Aufgaben gegeben, die sie alleine nicht schaffen? Die nur möglich sind, wenn sie zusammenarbeiten.“
Thomas: „Nein das funktioniert sowieso nicht.“
Ich konnte schließlich Thomas für einen Versuch überzeugen:
Wir erstellten ein Team bestehend aus 5 Lehrlingen gemischt aus 1. bis 3. Lehrjahr. Die Lehrlinge hatten die Aufgabe einen Plan zu erstellen, wie das neue Esszimmer im Schauraum umgestaltet werden soll. Sie erstellten eine Skizze mit einem großen Esstisch und erklärten, aus welchen Materialien der Tisch bestehen sollte und wie sie ihn zusammenbauen würden.
Das Ergebnis: der Esstisch wurde mithilfe des Lehrherrn erstellt und steht nun im Schauraum. Die Lehrlinge werden täglich an ihren positiven Beitrag durch Betreten des Raumes erinnert.
Thomas war erstaunt und merkte an: „Ich habe nur noch die Fehler gesehen, aber nicht das Potenzial, das in jedem einzelnen schlummert.“